Bocana de Paiwas und "Mitch"

Der Ort liegt an der Mündung des Rio Paiwas in den Rio Grande de Matagalpa. Daher hat er auch seinen Namen: Bocana de Paiwas. Als im Jahr 1998 der verheerende Wirbelsturm "Mitch" viel Unheil und Leid über weite Gebiete Mittelamerikas brachte, war Bocana de Paiwas nicht ausgenommen.

Die exponierte Lage an zwei Flüssen führte dazu, dass Teile des Ortes von den schnell steigenden Fluten geradezu weggerissen wurden. Viele Familien verloren Unterkunft und Eigentum, wenn sie denn wenigstens ihr Leben behalten haben.

Diese Ereignisse gehören zur Vorgeschichte des Projektes.

Die Nachrichten von den Folgen des Wirbelsturms in Mittelamerika erreichten uns zuerst über Radio und Fernsehen. Kurz darauf erhielten wir erste Situationsberichte von unseren Freunden Celia und Jaime aus der Region per E-Mail. Darin beschrieben sie nicht nur, dass viele Strassen und vor allem Brücken zerstört waren, so dass kaum Hilfsgüter in die betroffenen Gebiete gelangen konnten. Sie teilten uns auch ihre Pläne mit, wie sie das am dringendsten Benötigte besorgen und dorthin transportieren wollten. 

Es fehlten Lebensmittel, Trinkwasser, Decken, Plastikplanen als Regenschutz, Diesel für den Transport. Es fehlten aber auch Boote, mit denen die Gebiete erreicht werden konnten, die wegen der zerstörten Brücken und vom Hochwasser überfluteten Furten abgeschnitten waren.

Alles, was am dringendsten gebraucht wurde, war in Mittelamerika zu kaufen - es fehlte nur das Geld. Unsere Freunde dort haben deshalb gefragt, was wir aufbringen könnten. Nach einer schnellen Umfrage unter Freunden und Bekannten in Deutschland haben wir zusammen mit der CIR (Christliche Initiative Romero) eine Summe zugesagt, über die dort sofort ein Bankkredit aufgenommen wurde. Damit konnte die Hilfsaktion beginnen. 

Der Hilfskonvoi musste sich über nur noch zu ahnende Straßen, durch Schlamm und Geröll und an unzähligen flüchtenden Menschen vorbei im immer noch strömenden Regen bis zum Oberlauf des Rio Grande durchkämpfen, wo dann aber kein Weiterkommen selbst mit Geländewagen mehr möglich war. Dort warteten Frauen aus dem Frauenzentrum von Bocana de Paiwas mit Don Valentin, einem Bootsführer aus demselben Ort, und seiner Lancha bereits auf die Hilfsgüter. Die Lancha wurde mit dem mitgebrachten Außenborder ausgerüstet und ab sofort diente sie als Fähre, mit der nicht nur die Hilfslieferungen zur anderen Seite transportiert wurden. 

Die Brücke ist auch heute noch nicht wieder aufgebaut. Damals war sie überflutet und die Strömung war sehr stark. Don Valentin berichtete, dass er bei jeder Überfahrt Angst gehabt hat. Und das nicht nur wegen der im reißenden Fluss mitgeführten ausgerissenen Bäume, sondern auch wegen der aus dem Krieg übriggebliebenen Minen, die im Fluss trieben und die übrigens auch die Brücke zerstört haben. Zur Zeit gibt es eine Behelfsbrücke flussaufwärts.
Don Valentin mit seiner Lancha in Bocana de Paiwas

 Die LKWs für dem Weitertransport standen schon bereit. Nach einem weiteren halben Tag war der Ort erreicht und die Hilfsgüter konnten von den Frauen des Zentrums an die Bedürftigsten verteilt werden. Viele haben nach Tagen den ersten Schluck sauberes Wasser erhalten und mit Hilfe der Planen Schutz vor dem beständigen tropischen Regen gefunden.

Wie immer gaben die Frauen sich  nicht mit der Nothilfe zufrieden, sondern begannen sofort ein neues Projekt: neue Häuser mussten gebaut werden.

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